herzenswarm

November 6, 2006

bin wieder daheim und es ist gut so. zum ersten mal nach langer zeit komme ich gerne an, freue mich auf die alt vertrauten gesichter, auf den verlangsamten gang und auf den vollen teller im dining hall. irgendwas hat sich seit dem letzten mal getan – ich sehe den kibbutz in einem anderen licht, kann es noch nicht ganz in worten fassen. es hat was ruhiges, versoehnliches, der trotz fehlt, stattdessen kam eine art distanzierte verstaendlichkeit fuer den umgang miteinander. scheisse, das hoert sich ja fast jesuitisch an. habe gerade versucht, auf hebraeisch weiter zu schreiben und wordpress hat den text gnadenlos direkt wieder gestrichen, als wollte es mir sagen, dass diese sprach-form fuer diesen rahmen unangebracht sei.
gerade im haus der tante gewesen. die schraege kraeuter-essende (als haette sie mindestens 4 maegen) und angstfreie (gewagte lebensmethode) tochter und ihr entspannter kuenstler-sohn (der ist ja echt ein cooler kerl) waren damit beschaeftigt, ordnung zu machen, spreu vom weizen zu trennen, zu entscheiden, was geht und was bleibt, was mitgenommen wird und was in den muelleimer gegenueber befoerdert wird. und ich stehe mitten in diesem durcheinander von dingen und gefuehlen und versuche, mich nur dosiert beruehren zu lassen.

Eine Kutsche mit Stute

November 1, 2006

heute habe ich einen menschen verloren, der mir sehr viel bedeutet hat. shosha, meine liebste tante, du starbst heute nacht nach einer kurzen und knallharten erkrankung, die du nicht mehr besiegen konntest und wolltest. deine güte wird mich hoffentlich mein ganzes leben begleiten, vor allem dann, wenn ich nichts mehr weiter weiß, wenn ich verletzt, gekränkt, verzweifelt, ratlos bin. dann werde ich – hoffe ich – an dich denken. morgen wirst du begraben, und ich kann nicht da sein, weil ich 5000 km von dir entfernt bin, und weil die umstände und verflichtungen es so wollten. aber für dich gab es kaum ein „weil“, es gab vielmehr ein „wie“. es gab keine schuld, sondern höchstens eine lebensbewältigung. ruh in frieden. mir ist kalt. wir sehen uns.

Sucht (Praxis)

Oktober 30, 2006

Folgender Text kann als Ausdruck der theoretischen Überlegungen (s.u.) im Klinikalltag betrachtet werden. Ohnmacht, Eifersucht, Abwertung, Verweigerung, Rückzug, Somatisierung, Schuldzuweisung und Depression sind nur einige der Erscheinungen, die Behandler und Behandelte tagtäglich ausgesetzt sind. (Orte, Zeiten und Namen wurden dem Selbstschutz willen entfremdet. Die Erzählung basiert auf einer wahren Geschichte, hat jedoch mit der Wirklichkeit herzlich wenig zu tun)
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Sucht (Theorie)

Oktober 27, 2006

Die Tiefenpsychologie erzählt von der ewigen menschlichen Spannung zwischen Liebe und Ohn-Macht. Wird dauerhaft (in der Kindheit) Liebe entzogen und/oder Macht ausgeübt (Mißbrauch), wird aus Liebe Eifer-Sucht und aus gesundem Macht- und Geltungsbestreben Selbst-Zerstörung. Das ist aber eine reine Abstraktion und bedarf Anschaulichkeit. Read the rest of this entry »

„Jeder Führer muss wissen, und der wahre Führer weiß es , daß es an ihm liegt, dem Einzelnen zu befreiender Entfaltung zu helfen. Darin und in nichts anderem beruht die Tüchtigkeit und Kraft eines Führers. Hier ist die Wurzel der Gemeinschaft“

Viktor von Weizsäcker, Gesammelte Schriften, 8, S. 150

Menschenverachtung

Oktober 23, 2006

vor kurzem durfte ich das einwohneranmeldeamt einer kleinen stadt im hochsauerländischen kreis besuchen. im flur stehend wirkte noch alles zwar steril aber recht entspannt: großzügiger foyer, eine niedliche, einladende sitzecke für die bürger, die sich brav ein-, um und zwischenmelden wollen. ein holztisch und ein paar kleine stühlchen mit einem wohnküchenflair. rechts und links vor den büros elektronische anzeigen mit grünen pfeilen und roten kreisen, die wie autobahn-stau-melder die bürger darauf hinweisen, ob und wann sie das büro eintreten dürfen. Read the rest of this entry »

Gebote

Oktober 22, 2006

Die P-Gebote nach fremdworte

  1. Was zählt, kehrt wieder
  2. Respektiere und Stütze den Widerstand
  3. Heilige das Hier und Jetzt
  4. Beschreibungen haben Vorrang
  5. Antworten können prozess- oder gegenstandsorientiert sein
  6. Keine Heilung ohne Sympathie
  7. Keine Heilung ohne ein gemeinsames Werk
  8. Suche nach Bildern unter Spannung
  9. Suche nach Geschichten mit Resten
  10. Denk Dir noch mindestens zwei eigene Gebote aus

*inspiriert von U. Welzel, H. Schaefer u.v.a.

Es lebe die DPG

gestern endlich die Bewerbungsunterlagen verschickt, nach einem langem hin und her, ergänzungen und verkürzungen eines vermeintlich authentischen narrativen lebens(k)lauf und die grausige idee im stammhirn schwebend, dass das ganze 40 tausend neue silberlinge kostet. Read the rest of this entry »

PROLOG

Oktober 16, 2006

Der X. Besuch beim Amt für ausländische ANGELEGENHEITEN

Mit lauter Kampgeist gehe ich mal wieder in Richtung Amt, wohl wissend oder zumindest erwartend, dass es wieder mal eine schwere Geburt mit schmerzhaften Wehen und verschreckten Mienen wird. Read the rest of this entry »